Rotatorenmanschettenverletzung
Anatomie, Funktion der Rotatorenmanschette und Entstehung von Verletzungen:
Die Rotatorenmanschette besteht aus verschiedenen Muskelendsehnen die den Oberarmkopf umgreifen und Motor der Schulter darstellen. Vereinfacht dargestellt besteht die Rotatorenmanschette aus drei funktionell bedeutsamen Sehnen: der Subscapularissehne, der Supraspinatussehne und der Infraspinatussehne.

seitlicher Einblick ins Schultergelenk

rechte Schulter von vorne (linke Abbildung) – rechte Schulter von hinten (rechte Abbildung)
Ihrer Schulter vorn aufliegend ist die Subscapularissehne, die den Arm nach innen dreht. Unter dem knöchernen Schulterdach, oben auf Ihrer Schulter verläuft die Supraspinatussehne. Diese führt den Arm seitlich vom Körper weg. Die Infraspinatussehne liegt Ihrer Schulter hinten auf und dreht den Arm nach außen.
Die am häufigsten verletzte Sehne ist die Supraspinatussehne. Dies geschieht auf verschiedene Weise.
Selten kommt es bei Unfällen zu derartigen Verletzungen. Beispielsweise kann es bei einer Schulterluxation (Auskugeln der Schulter) zu traumatischen Rissen einer oder mehrerer Sehnen der Rotatorenmanschette kommen.
Weitaus häufiger sind jedoch verschleißbedingte (degenerative) Veränderungen der Rotatorenmanschette. Der Ansatz der Sehnen am Oberarmkopf ist anlagebedingt beim Menschen sehr schlecht durchblutet. Im Laufe des Lebens kommt es bei uns allen also zu degenerativen Veränderungen des Sehenmaterials und schließlich zu kleinen Rissen der Sehnen. Hohe körperliche Belastung z.B. in Beruf oder Sport spielt eine gewisse Rolle, ist jedoch für die Rissentstehung nicht entscheidend. Lange Zeit bleibt dies unbemerkt, da der Riss klein ist und die Funktion des geschädigten Muskels durch andere Muskeln in der Umgebung übernommen wird. Hat die Ruptur mit der Zeit eine gewisse Größe überschritten oder kommen andere Einflüsse wie Stürze auf die Schulter oder ungewohnte Belastungen (v.a. Überkopftätigkeiten wie z.B. Holzhacken oder Malerarbeiten etc.) hinzu, kommt das biomechanische Kräftesystem der Schulter aus dem Gleichgewicht und es treten Beschwerden auf. Für die Schmerzen ist meist vor allem eine rupturbedingte Entzündung des Schleimbeutels im Gleitraum unter dem knöchernen Schulterdach verantwortlich.
„Vor dem Sturz hatte ich aber noch nie Probleme mit meiner Schulter!“ Dieser Satz wird von sehr vielen Patienten geäußert. In nahezu allen Fällen begannen die Veränderungen an der Schulter wie oben erklärt schon Monate oder Jahre vorher. Eine Kernspintomographie kann dies anhand der augenscheinlichen Veränderungen des Muskel- und Sehnenmaterials oft beweisen.
Liegt nun eine Ruptur Ihrer Rotatorenmanschette, verbunden mit Beschwerden, die sich krankengymnastisch nicht bessern lassen vor, ist die operative Sanierung zu empfehlen.
Abhängig vom Alter der Ruptur, der Rupturgröße und der eventuell bereits eingetretenen Degeneration des Muskel- und Sehnengewebes, kommt eine Naht der gerissenen Sehne in Frage.
Dies kann dies entweder offen über einen ca. 4 cm langen Schnitt an der Schulter erfolgen oder minimalinvasiv im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie). Der Vorteil hierbei ist vor allem das kosmetisch bessere Ergebnis auf Grund der vernachlässigbar kleinen Narben. Die Entscheidung welches Verfahren zur Anwendung kommt, ist im Wesentlichen davon abhängig wie sich der Befund im Rahmen der Operation darstellt. Die Entscheidung wird vor allem von der Größe der Ruptur, der Anzahl der betroffenen Sehnen, der gesamten Rissgeometrie und der Sehnenqualität beeinflusst. In einigen Fällen kann im Verlauf der Operation ein Wechsel der Behandlungsstrategie von arthroskopischem auf offenes Vorgehen nötig werden. Neben der Naht der Sehne wird der Schleimbeutel unter dem knöchernen Schulterdach entfernt, der Gleitraum für die Sehne über ein Abschleifen der Unterfläche des Schulterhöhenknochens erweitert und eine Verödung der feinen Nervenenden im Schulterdach mittels einer Elektrode vorgenommen.
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| Sehnenschaden | Setzen des Fixationsankers |
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| Fadentransport durch die Sehne | Defektverschluss mit Knoten |
Abhängig von einigen individuellen Faktoren Ihres Gelenkes (Ausmaß des Risses und der begleitenden Schleimbeutelentzündung etc.) dauert eine Rotatorenmanschettennaht ca. 60-90 Minuten. Der Eingriff wird Vollnarkose durchgeführt. Am Ende des Eingriffs wird ggf. eine Drainage, ein dünner Schlauch der überschüssiges Wundsekret abfördert, in Ihr Schultergelenk eingelegt. Dieser wird am nächsten Tag im Rahmen des Verbandswechsels wieder entfernt.
Die Nachbehandlung verläuft nach einem detaillierten Schema. Um ein optimales Behandlungsergebnis des Eingriffs zu erzielen, werden Sie gebeten sich exakt daran zu halten. Sie erhalten nach dem Eingriff einen gesonderten Ausdruck des Nachbehandlungsschemas als „Gebrauchsanweisung“ Ihrer Schulter für Ihren Krankengymnasten.
Ein wichtiger Punkt bei Eingriffen an der Schulter ist die Nachbehandlungszeit. Bitte erwarten Sie von dem Eingriff keine unmittelbar einsetzenden Wunder! Eine Rekonvaleszenz von ca. 3 Monaten ist normal und kann auch durch beste OP-Technik und intensive Krankengymnastik oft nicht verkürzt werden. Schultern brauchen Zeit zu heilen, Geduld in der Rehabilitation ist daher sehr wichtig.




