Kniescheibenstabilisierung

Anatomie und Funktion der Kniescheibe und Entstehung von Instabilitäten:

Die Kniescheibe fungiert als beweglicher Kraftüberträger in der Bewegungskette der Kniestreckung. Über je eine kräftige Sehne ist sie nach oben mit dem Oberschenkelstreckmuskel und nach unten mit dem knöchernen Schienbein verbunden.
Die Kniescheibe ist über knorpelige Gelenkflächen mit dem Oberschenkelknochen verbunden. Es handelt sich nicht um ein „ideales“, kraft- und formschlüssiges Gelenk wie beispielsweise ein Türscharnier sondern um eine lockere Gelenkführung mit komplexen Bewegungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Richtungen.
Die Stabilisierung der Patella in diesem Gelenk ist mehrschichtig und störungsanfällig. Hier sind 3 Hauptstabilisatoren zu nennen.
Erstens wird die Kniescheibe durch die Oberschenkelmuskulatur geführt. Ein gut ausgebildeter und trainierter Muskelmantel trägt daher nicht unwesentlich zur problemlosen Funktion der Kniescheibe bei.
Entscheidend sind jedoch zwei andere Faktoren. Zum einen die knöcherne Formgebung des Oberschenkelknochens. Die Kniescheibe läuft normalerweise ähnlich einem Bootskiel in einer knöchernen Rinne die vom Oberschenkel gebildet wird. Bei einer Kniescheibeninstabilität ist diese Rinne oft sehr flach ausgebildet oder teils überhaupt nicht vorhanden. Am Beginn des Übergangs des gestreckten Kniegelenks in die Beugung besteht keine ausreichende knöcherne Führung, was zum Ausrenken der Patella nach außen führen kann.
Zum anderen ist ein spezifischer Teil des Kapsel-Bandapparates des Kniegelenks für die Kniescheibenstabilität verantwortlich. Vom Oberschenkelknochen zur Innenkante der Kniescheibe verläuft ein v-förmiges Band, das für einen Grossteil der Haltekraft der Kniescheibe verantwortlich ist.

Die Ausrenkung der Kniescheibe erfolgt nahezu regelhaft nach außen. Verantwortlich hierfür sind vor allem zwei Mechanismen.

So können unfallbedingte Ausrenkengen der Kniescheibe durch schwere Schläge direkt gegen die Patella im Rahmen von Sportverletzungen oder Verkehrs- und Arbeitsunfällen auftreten.
Andererseits führen unter gewissen Umständen Situationen wie das Aufstehen von einem Stuhl oder eine Drehbewegung des Oberkörpers bei fest stehendem Unterschenkel zur Patellaluxation. Hiervon sind Menschen mit sehr losem Bindegewebe und, wie oben beschrieben, Normvarianten der knöchernen Formgebung des Oberschenkelknochens betroffen.

Beim Ausrenken der Kniescheibe können folgende Verletzungen auftreten:
Es kann zu Abscherverletzungen von Anteilen des Gelenkknorpels der Kniescheibenrückfläche und/oder der Oberschenkelrolle durch die hohen Scherkräfte kommen.
Zum anderen reißt der innenseitige Halteapparat der Kniescheibe (Kapsel und Bänder) oder wird stark überdehnt.

Therapieoptionen:

Bei wiederkehrenden Ausrenkungen der Patella ist die operative Stabilisierung zu empfehlen um auf Dauer Knorpelschäden und Schmerzen zu vermeiden.

Zunächst wird im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) die Knorpelsituation und eventuell weitere Gelenkschäden beurteilt und ggf. behandelt. Abgesprengte Knorpelstücke werden je nach Befund refixiert oder entfernt.
Bei unfallbedingter, erstmaliger Ausrenkung der Kniescheibe oder beim Kind kann der Halteapparat Patella offen oder arthroskopisch genäht werden.

In vielen Fällen ist jedoch der Ersatz des innenseitigen Haltebandes (Ligamentum patello-femorale mediale) mit einer körpereigenen Sehne notwendig. Diese wird zwischen der Innenfläche der Kniescheibe und dem Oberschenkelknochen eingebracht und mit auflösbaren Implantaten verankert.

3 Hautschnitte
3 Hautschnitte zur Rekonstruktion des
Lig. patello-femorale mediale (je ca. 2-3 cm),
ovalär ist die Kniescheibe markiert
Vorgelegte Sehne vor Fixierung Fixation der Sehne am Oberschenkel mit auflösbarer Schraube
Vorgelegte Sehne vor Fixierung Fixation der Sehne am Oberschenkel
mit auflösbarer Schraube

Abhängig von evtl. gleichzeitig vorliegenden behandlungsbedürftigen Knorpelschäden dauert ein derartiger Bandersatz ca. 60 Minuten. Der Eingriff wird in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt. Am Ende des Eingriffs wird evtl. eine Drainage, ein dünner Schlauch der überschüssiges Wundsekret ableitet, in Ihr Kniegelenk eingelegt. Diese wird am nächsten Tag im Rahmen des Verbandswechsels entfernt.

Die Nachbehandlung verläuft nach einem detaillierten Schema. Um ein optimales Behandlungsergebnis des Eingriffs zu erzielen, werden Sie gebeten, sich exakt daran zu halten. Sie erhalten nach dem Eingriff einen gesonderten Ausdruck des Nachbehandlungsschemas als „Gebrauchsanweisung“ Ihres Kniegelenkes für Ihren Krankengymnasten.